Optimale Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung

Vorbildlich: Klare Kommunikation der Wagenreihung in Zürich Hauptbahnhof

Rund ein Drittel der Fernzüge in Deutschland fährt mit geänderter Wagenreihung. Zwar wird am Bahnhof zumeist angezeigt und angesagt, dass der Zug in geänderter Wagenreihung verkehrt. Wo genau der reservierte Wagen hält, ist allerdings sogar für mich als Bahnexperte oft nicht eindeutig.

In diesem Artikel erfahren Eisenbahnunternehmen, wie sie die Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung verbessern können.

Während meiner Ausbildungszeit hat die Deutsche Bahn etwa mit folgendem Wortlaut eine Sitzplatzreservierung zu jeder Fernverkehrsfahrkarte empfohlen:

“Mit einer Sitzplatzreservierung haben Sie garantiert einen Sitzplatz, sparen sich die Platzsuche und genießen Ihre Reise von Anfang an.”

Heute würde ich hinzufügen:

“Vorausgesetzt man weiß, wo sich der reservierte Sitzplatz befindet”.

Besonders wichtig ist dies, wenn ein Zug aus zwei miteinander gekuppelten Triebzügen besteht:

  • Ein Zugteil hat dann beispielsweise die Wagennummern 21 bis 29 und
  • der andere Zugteil hat die Wagennummern 31 bis 39

Oft ist unklar:

  • Ist der gesamte Zug gedreht?
  • Ist nur einer der beiden Zugteile gedreht?
  • Wenn nur einer der beiden Zugteile gedreht ist: Welcher?

Gerade bei langen Zügen wäre eine klare Kommunikation besonders wichtig, weil ein Durchgang zwischen zwei gekuppelten Triebzügen während der Fahrt nicht möglich ist.

Das schlechte Beispiel

Ein paar Impressionen für mangelhafte Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung aus Deutschland:

“Bitte beachten Sie die angezeigte geänderte Wagenreihung”: Wenn ich eine Fahrkarte für die erste Klasse mit Reservierung im Wagen 39 habe, hält der Wagen entweder im Abschnitt A oder 400 Meter weiter im Abschnitt E.

optimale Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung

“Heute Wagen 5, 14-6”: Verstehen Sie Bahnhof? Soll das ein “normaler” Fahrgast wirklich verstehen?

optimale Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung

Unnötige Doppelinformation: Dass die 1. Klasse in Abschnitt A und E hält, geht schon aus der kleinen Grafik rechts hervor. Wo sich die Zugteil mit den 20er- und 30er-Wagennummern jeweils befinden bleibt unklar, bis der Zug am Bahnsteig einrollt.

optimale Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung

“Zugteile vertauscht”: Und wo sind jeweils die Zugteile mit den Ordnungsnummern 21-29 sowie 31-29?

Das gute Beispiel

Wie klare und gute Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung aussehen kann, zeigt die Schweizer Bundesbahn:

optimale Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung

Klare Kommunikation in Olten: Unter jedem Wagen stehen der Bahnsteigabschnitt und die Wagennummer.

optimale Fahrgastinformation bei geänderter Wagenreihung

In Zürich HB ist eindeutig, in welchem Sektor jeder einzelne Wagen des Intercity nach Singen hält. Sogar die Fahrtrichtung ist mit einem kleinen Pfeil angegeben.

Warum eine gute Fahrgastinformation wichtig ist

  1. Das Verkehrsunternehmen wirkt gegenüber Fahrgästen gut organisiert (obwohl etwas schief gelaufen ist). Das schafft Vertrauen.
  2. Das Einsteigen geht schneller, weil sich die Fahrgäste schon vor Ankunft des Zuges am Bahnsteig positionieren können. Der Zug kann pünktlich abfahren.
  3. Fahrgäste reisen komfortabel und entspannt. Ihre Fahrgäste sind zufriedener. Ihr Zugpersonal auch.

 

Noch besser ist natürlich, wenn der Zug richtig gereiht fährt oder Züge symmetrisch (spiegelbildlich) gebildet werden, womit eine gedrehte Wagenreihung gar nicht auftreten kann. Da braucht man dann nur die Wagennummern umstecken bzw. “umdigitalisieren”.

 

Ich berate Sie gerne, wie Sie Ihren Bahnbetrieb und Ihre Fahrgastinformation verbessern können. Klicken Sie hier…